Adsum
{Da sprach ich: Siehe, ich komme.
Wie in der Buchrolle von mir geschrieben steht: um deinen Willen zu erfüllen, o Gott.
Hebr 10,7
In dieser kleinen Kapelle, die dem heiligen Antonius von Padua geweiht ist, feiern wir heute eine Votivmesse ad vocationes ecclesiasticas servandas, um die Bewahrung der kirchlichen Berufungen. Ganz allgemein beten wir und bringen das heilige Opfer dar, damit die göttliche Majestät sich herablassen möge, zahlreiche Arbeiter für seine Ernte zu gewähren, und damit diese in den Weinberg Berufenen ihrem Amt treu bleiben.
Excita, Domine, in Ecclesia tua spiritum pietatis et fortitudinis: qui dignos altaribus tuis ministros, et verbi tui strenuos assertores efficiat. «Erwecke, o Herr, in deiner Kirche den Geist der Frömmigkeit und der Stärke, damit er die Diener deiner Altäre würdig mache und sie zu eifrigen Verfechtern deines Wortes mache.»
Die Kollekte der Messe verweist auf die Notwendigkeit zweier Gaben des Heiligen Geistes: Frömmigkeit und Stärke. Und gerade Frömmigkeit und Stärke fehlen den Priestern und Klerikern heute: Sie wissen nicht, wie man anbetet, sie wissen nicht, wie man betet, sie wissen nicht, wie man widersteht und für den bonum certamen (‘guten Kampf’) kämpft, noch wie man sein Leben für ihren Herrn hingibt. Die „Diener der Erlösung“ – wie die Postkommunio die Priester nennt – wissen nicht mehr, wie sie immensæ tuæ caritati pura mente servire, «der unermesslichen Liebe Gottes mit reinem Herzen dienen» sollen, denn ihre Seele ist allzu oft durch die Bindung an die Welt, an das Fleisch und an den Teufel verblendet. Andererseits: Warum sollte man sich mit den Schwierigkeiten und Opfern des klerikalen Standes auseinandersetzen, wenn doch alle gerettet sind, unabhängig von der Religion, die sie ausüben, ja sogar gerade aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu einer falschen Religion? Warum sich selbst verleugnen, um Christus nachzufolgen, wenn die Hurerei und der Götzendienst – um einen Ausdruck der Schrift zu verwenden – verschiedene Facetten derselben ökumenischen und irenistischen Vielfalt sind, die von den verirrten Köpfen der konziliar-synodalen Kirche ersonnen wurde?
Selbst gute Priester fühlen sich in solch schwierigen Zeiten verlassen, frustriert und versucht, das Gewand abzulegen, wenn ihr Bischof und ihre Mitbrüder im Priesteramt die Ersten sind, die ihre Treue lächerlich machen, sie wie Parias (Aussenseiter, Ausgestossene) behandeln, sie ghettoisieren und ausgrenzen, sobald sie es nur wagen, sich wie Priester zu verhalten. Einigen von ihnen ist es unter tausend Schwierigkeiten gelungen, treu zu bleiben: Für sie gibt es die Stiftung Exsurge Domine. Die Mitglieder von Familia Christi und andere Priester und Ordensleute, die die ‘Barmherzigkeit’ des Jesuiten und des Augustiners erfahren durften, haben eine Zuflucht gefunden, einen Hafen, in dem sie verweilen können, einen Hirten, der sie leitet, ermutigt, ermahnt und tröstet, sowie Mitbrüder, die mit ihnen nicht nur die Treue zum Evangelium teilen, sondern auch die grausame Verfolgung durch die Oberen und die Entscheidung, sich ungerechten Anordnungen zu widersetzen. Mitbrüder, die die Trostlosigkeit der Verlassenheit, den Zynismus und die Feigheit gewisser Mitbrüder erlebt haben, aber auch die großzügige Aufnahme durch die Gläubigen.
Deshalb flehen wir heute nicht nur um heilige Berufungen, sondern beten, dass der Herr des Weinbergs jene bewahre, die weiterhin Adsum antworten, nach dem Vorbild des göttlichen Meisters, auch und vor allem, wenn der Moment naht, das Kreuz zu besteigen, die Arme auszustrecken, um daran genagelt zu werden, und zu spüren, wie das Herz von der scharfen Lanze eines eifrigen Höflings durchbohrt wird. Si quis vult venire post me, abneget semetipsum, et tollat crucem suam quotidie, et sequatur me (Lk 9,23) (‘Wer Mir nachfolgen will, verleugne sich selber, nehme täglich sein Kreuz auf sich, und so folge er mir’). Abneget semetipsum: sich selbst verleugnen. Denn die Berufung ist ein Ruf, von einem Thron der Schande aus zu regieren, eine Dornenkrone zu tragen und den scharlachroten Mantel der Verrückten zu tragen. Es ist ein Ruf, nicht nur den ewigen Priester zu verkörpern, sondern sich auch dem göttlichen Opfer anzugleichen, sich zum reinen Altar für das Opfer zu machen.
Und ihr, liebe Brüder, habt in der kirchlichen Gemeinschaft die Aufgabe, für eure Priester zu beten und den Tröstergeist anzuflehen, dass er diejenigen, die er als Verwalter der Gnade Gottes erwählt hat, bewahre, beschütze und mit heiligem Eifer beseele. Bringt also eure heutige Kommunion für dieses Anliegen dar und denkt daran, dass es ohne Priester keine Messe gäbe und ohne Messe kein Allerheiligstes Sakrament, das wir morgen mit besonderer Feierlichkeit in der Kapelle zu Ehren des heiligen Aloisius von Gonzaga verehren werden, die ich segnen werde. - Amen.
+ Carlo Maria Viganò, Erzbischof
3. Juni MMXXVI
Feria Quarta infra Hebd. I post Octavam Pentecostes
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