Beata gens
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Beata gens, cujus est Dominus Deus ejus.
Selig ist das Volk, dessen Herr Gott ist.
Ps 32,12
Die Heilige Kirche ist stolz darauf, heute das historische Ereignis der Herabkunft des Heiligen Geistes auf die Apostel und die Heilige Maria zu feiern, fünfzig Tage nach der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus. Der Rang dieses Festes entspricht dem von Ostern, und am Vorabend dieses gesegneten Tages wird – gemäß den Riten vor der unglückseligen Reform der Karwoche durch Annibale Bugnini – genau wie am Karsamstag eine Vigil mit dem Gesang der Prophezeiungen und einer identischen Taufliturgie gefeiert. Die Osterkerze erscheint in dieser Nacht der Gnade erneut als Symbol des fleischgewordenen Wortes, des Lichts der Welt (Joh 8,12). Und in der Blüte des Monats Mai wurde Pfingsten als Osterfest der Rosen bezeichnet, denn ihre purpurroten Blütenblätter erinnern an die kleinen Flammen, die auf jeden der 120 Jünger herabkamen, die im Abendmahlssaal versammelt waren.
Feiern wir also den Heiligen Geist; den Parakleten, den göttlichen Ratgeber der Seele; den lebensspendenden Herrn, der das Leben schenkt, den Lebensatem – πνεῦμα auf Griechisch. Die Dritte Person der Heiligsten Dreifaltigkeit: jene göttliche Liebe, die zwischen dem Vater und dem Sohn auf so erhabene Weise weht, dass auch sie Gott ist, Qui ex Patre Filioque procedit, der vom Vater und vom Sohn ausgeht. Diese Liebe, liebe Brüder, ist Gott. Deus caritas est, sagt der heilige Johannes (1.Joh 4,16). Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott in ihm. Eine Liebe, die, da sie göttlich ist, nicht anders kann, als sich mitteilen zu wollen. Sie kann nicht anders, als Leben zu schenken. Sie kann nicht anders, als zu erschaffen, zu erlösen und zu heiligen. Denn in Gott ist die Liebe – die Nächstenliebe – sein Wesen selbst. Eine Nächstenliebe, die in der Wahrheit begründet ist, so wie in der Flamme Wärme und Licht zwar verschieden sind, aber aus demselben Feuer stammen.
Spiritus ubi vult spirat (Joh 3,8), der Geist weht, wo er will: Das sind Worte des Evangeliums, die unser Herr an Nikodemus richtete und die ihre richtige Bedeutung erst erhalten, wenn man sie im Zusammenhang mit dem vorangehenden Satz liest: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist (ebd., 5-6). Und doch gibt es einige – in einer „Kirche“, die sich von einem „neuen Pfingsten“ inspiriert sieht –, die den Heiligen Geist zwingen möchten, nicht dort zu wehen, wo Er will, sondern dort, wo Rebellen und Ketzer es wollen, um das zu bestätigen, was aus dem Fleisch geboren ist. Diese Leute geben ihre Betrügereien, ihre Lehrirrtümer, den konziliaren Frühling, den synodalen Weg, Diakoninnen und Bischöfinnen, sodomitische Ehen, das ökumenische Pantheon und den Kult der Mutter Erde als Werk des Parakleten aus. Doch wie könnte der Heilige Geist das fördern, was dem widerspricht, was Er durch die Propheten und durch die unfehlbare Stimme des beständigen katholischen Lehramtes gesagt hat? Wie könnte der Geist der Wahrheit die Lüge lehren? Wie könnte der Tröster Verwirrung und Spaltung unter Seinen Gläubigen säen?
Die konziliare und synodale Kirche – eine groteske Fälschung der wahren Kirche Christi – geht so weit, sich einen Gott nach eigenem Geschmack zu formen, einen ökumenischen und inklusiven Gott, einen Gott, der weder Bekehrung noch Buße verlangt, einen Gott, der nicht Mensch geworden ist, um uns durch sein Leiden zu erlösen, sondern der sozusagen auf seine Göttlichkeit „verzichtet“, um sich durch den Menschen ersetzen zu lassen, der sich selbst zum Gott macht und mit sich eine rebellische Magnifica humanitas (‘Grossartige Menschheit’) vergöttert, eine Dignitas infinita (‘unendliche Würde’), die aus Stolz und der Ablehnung des Kreuzes besteht.
Angesichts der Apostasie der Spitzen der Hierarchie weht der Heilige Geist weiterhin, wo er will, nämlich dort, wo er immer gewollt hat und immer wollen wird, und setzt durch die Ausgießung seiner Gaben das Werk der Schöpfung, der Erlösung und der Heiligung der Heiligsten Dreifaltigkeit fort. Ein Werk, zu dessen Vollendung die Heilige Kirche vor allem durch die Sakramente berufen ist. Dazu sind die Apostel berufen, die im Abendmahlssaal den Heiligen Geist empfangen haben, und dazu sind ihre Nachfolger berufen. Sie haben die Fülle des Priestertums empfangen, das die Weihe und die Heilige Messe, das schlagende Herz der Kirche, in der ununterbrochenen Linie der Apostolischen Sukzession fortführt. Ihnen hat unser Herr die Aufgabe anvertraut, den Heiligen Geist auszugießen, auch wenn die Krise die Spitzen des kirchlichen Leibes trifft, auch wenn auf dem Stuhl des Fürsten der Apostel ein Usurpator sitzt, der unter Missbrauch einer entmachteten Autorität aktiv die Auflösung fördert und die guten Hirten daran hindert, ihren Dienst zu erfüllen. Der Heilige Geist weht, wo er will, wo er immer gewollt hat, wo er immer wollen wird: denn er wirkt in absoluter Souveränität, auf unsichtbare, aber unmissverständliche Weise und ohne den gewundenen Pfaden zu folgen, die von denen vorgegeben werden, die nach dem Fleisch handeln. Die Früchte des Parakleten – Buße, Bekehrung, Frieden, Nächstenliebe und Heiligkeit – lassen sich nicht in Synodenversammlungen oder Diskussionsgruppen planen, noch durch Verfälschung der Wahrheit oder Korrumpierung der Moral, noch durch Machenschaften und Lügen. Er ist Spiritus sapientiae, et intellectus. Spiritus consilii, et fortitudinis. Spiritus scientiae, et pietatis. (‘Geist der Weisheit und des Verstandes. Geist des Rates und der Stärke. Geist der Wissenschaft und der Frömmigkeit’). Das genaue Gegenteil davon, wie der Fürst dieser Welt und seine Diener handeln, innerhalb und außerhalb der Kirche.
So wie in der Antike auch zu Pfingsten die Quelle gesegnet wurde, so haben wir heute der lieben Mary Isabella Rhye die Heilige Taufe und die Heilige Firmung gespendet, genau an dem Tag, an dem der Paraklet auf die Jünger herabkommt.
Mit der Taufe und Firmung von Mary Isabella Rhye vollenden Marcello und Rhye – die bereits rechtmäßig verheiratet sind – ihre eheliche Vereinigung, die Christus zu einem sichtbaren Zeichen seiner Liebe zur Kirche erhebt. Die heiligmachende Gnade ist durch die Sakramente ein Geschenk des Heiligen Geistes: Sie ist die übernatürliche Hilfe, mit der die Heiligste Dreifaltigkeit es uns ermöglicht, das Gute zu tun und das Böse zu meiden, und die sich daran erfreut, ihre Segnungen zu vervielfachen, wenn wir nur ihren Ratschlägen gehorsam sind. Welch ein unergründlicher Abgrund der Herrlichkeit uns gegenüber! Der Vater erkennt uns als seine Kinder, seine Erben und Miterben in Christus (Röm 8,17) im Heiligen Geist an. Und wir, in unserer Nichtigkeit, können auf diese Großartigkeit nicht mit unseren eigenen Mitteln antworten, sondern mit den Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Verstand, Rat, Stärke, Wissenschaft, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Dank dieser übernatürlichen Gaben würdigt sich die göttliche Majestät, uns für den Kampf dieser irdischen Pilgerreise zu rüsten. Und diese mächtigen Waffen werden uns von der Allerheiligsten Jungfrau, der Braut des Parakleten, der Mittlerin aller Gnaden, erbetet, die das Privileg hatte, den Heiligen Geist zusammen mit den Aposteln zu empfangen. Komm, o Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen: und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe. Es ist das Gebet des mystischen Leibes, das Gebet der streitenden Kirche, das Gebet derer, die sich in Askese und Fasten auf den Kampf mit dem Feind der Seele vorbereiten.
Selig ist das Volk, dessen Herr Gott ist – singt der Psalmist (Ps 32,12). Wahrlich selig ist dieses Volk: bestehend aus Bürgern des Himmels, auf Pilgerreise in feindlichem Land, gestärkt durch die heiligmachende Gnade, genährt von der übernatürlichen Speise der Allerheiligsten Eucharistie. Dieses Volk, die Heilige Römisch-Katholische Apostolische Kirche, steht heute unter Belagerung und wird von Usurpatoren (‘Machthabern’) in den Schatten gestellt. Doch es werden die von Gott entflammten Herzen voller Glaube, Hoffnung und Liebe sein, die den Triumph des Unbefleckten Herzens Mariens und die glorreiche Wiederkunft des Herrn sowie die endgültige Niederlage des höllischen Feindes vorbereiten werden.
Liebe Brüder, machen wir uns das Postkommuniongebet dieser Messe zu eigen: Sancti Spiritus, Domine, corda nostra mundet infusio: et sui roris intima aspersione fœcundet. Die Ausgießung des Heiligen Geistes, o Herr, reinige unsere Herzen und befruchte sie durch die innige Besprengung mit seinem Tau. - Amen.
+ Carlo Maria Viganò, Erzbischof
Viterbo, 24. Mai MMXXVI
Dominica Pentecostes

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