Quam ergo mercedem accipias?
{Vetustatem novitas, umbram fugat veritas, noctem lux eliminat.
Neues treibt das Alte fort, Schatten scheucht der Wahrheit Wort,
und das Licht verbannt die Nacht.
Sequenz Lauda Sion
Die Heilige Kirche begeht das heutige Fest, um ihren eucharistischen König, den Herrn im Sakrament, die Heiligste Eucharistie, in der das fleischgewordene Wort in Leib, Blut, Seele und Gottheit gegenwärtig ist, anzubeten und zu feiern. Das vom engelhaften Lehrer (hl. Thomas von Aquin) verfasste Stundengebet für Fronleichnam ist ein Schatz des Glaubens und der Nächstenliebe, der Gesang der Seele für das magnum Mysterium et admirabile Sacramentum. (‘grosse Geheimnis und wunderbare Sakrament’).
Im Kloster San Domenico Maggiore in Neapel kann man noch heute die Zelle besichtigen, in welcher der Aquinate von 1272 bis 1274 lebte, und den Altar der Kapelle des heiligen Nikolaus sehen, dessen Tabernakel sich der heilige Thomas näherte, um dort die Worte zu hören, die der göttliche Gefangene ihm eingab und die später Teil des Propriums dieses Festes werden sollten. Auf jenem Altar befand sich damals in einer Nische die Ikone des Gekreuzigten, der auf wundersame Weise zu ihm sprach: Bene dixisti de Me, Thoma. Quam ergo mercedem accipias? «Du hast gut von mir geschrieben, o Thomas: Was willst du als Belohnung?» Der heilige Theologe antwortete: Non aliam nisi Te, Domine! «Nichts anderes als Dich, o Herr.»
Quam ergo mercedem accipias? «Was willst du als Belohnung?» Wenn der Herr auch uns diese Frage stellen würde, was würden wir Ihm antworten? Und noch davor: Könnten wir hoffen zu hören: Bene dixisti de Me (‘Du hast gut von mir gesprochen’), je nachdem, wie wir die Gaben, die uns von der göttlichen Großzügigkeit geschenkt wurden, fruchtbar gemacht haben?
Sicherlich kann keiner von uns in Gelehrsamkeit und Lehre mit dem heiligen Thomas von Aquin mithalten. Aber sicherlich können wir ihn mit Gottes Gnade als unser Vorbild an Heiligkeit, Demut und Liebe zum fleischgewordenen Wort im Allerheiligsten Sakrament haben. Antworten wir Ihm immer: Nichts als Dich, o Herr! Ich will keinen Erfolg. Ich will keine Ehren. Ich will weder Geld noch Vergnügungen noch weltliche Träume. Ich will der Welt nicht gefallen. Ich will nicht von den Mächtigen anerkannt werden. Ich will nur Dich, o Herr. Nur Dich. Ich will Dich, höchste Wahrheit, ich will Dich, unendliche Liebe. Ich will Dich als Altar, als Priester, als Opfer. Ich will Dich ‘als Speise und als Gast’, cibus et conviva.
Panis angelicus fit panis hominum; dat panis cœlicus figuris terminum; o res mirabilis! Manducat Dominum pauper, pauper servus et humilis. ‘Das Brot der Engel wird zum Brot der Menschen; das Brot des Himmels erfüllt die alten Vorbilder; welch ein Wunder! Der Arme, der Diener und der Demütige nähren sich von ihrem Herrn, der sich selbst zur Speise hingibt: Ego sum panis vivus qui de cœlo descendi (Joh 6,51) (‘Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist’).
Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist: Das hat der göttliche Meister den Menschenmengen am See von Tiberias verkündet, nachdem er auf wundersame Weise fünf Brote und zwei Fische vermehrt hatte, um damit fünftausend Menschen zu speisen. Diese fünf Brote reichten nicht aus: Non in solo pane vivit homo, sed omni verbo quod procedit de ore Dei (Mt 4, 4) (‘Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt’). Und gerade das Wort, das aus dem Munde Gottes kommt, offenbart sich im Allerheiligsten Sakrament des Altars, im heiligen Messopfer.
Wenn diese rebellische Welt nicht vom Zorn Gottes hinweggefegt wurde, dann deshalb, weil es noch Menschen gibt, die diesem Wunder der Nächstenliebe und des Glaubens Verehrung und Dankbarkeit entgegenbringen, indem sie sich im Gebet vor dem Tabernakel versammeln oder vor der strahlenden Hostie in der Monstranz niederknien. Unbekannte Menschen, die nicht in den Pfarrblättern oder der Diözesanzeitung erscheinen, weil sie „keine Schlagzeilen machen“; weil sie keine Rechte einfordern, außer dem, katholisch, apostolisch und römisch zu bleiben, trotz ihrer unwürdigen Hirten.
Seit mehr als sechzig Jahren hat die permanente Revolution des Zweiten Vatikanischen Konzils dem Leben des kirchlichen Leibes selbst einen schweren Schlag versetzt. Der Verlust des Glaubens im christlichen Volk ist die direkte, geplante und hartnäckig verfolgte Folge eines Plans der Auflösung, der zwangsläufig das Allerheiligste Sakrament, die heilige Messe und das Priestertum treffen musste. Diese Krise, liebe Brüder, ist die vergiftete Frucht jahrzehntelanger systematischer Zerstörung durch jene, die stattdessen hätten kämpfen und sterben müssen, um das Depositum Fidei (‘das Glaubensgut’) zu verteidigen. Und dies hat die Sakrilegien und Entweihungen der Allerheiligsten Eucharistie vervielfacht, bis zu dem Punkt, dass man die heilige Hostie den Hunden zu fressen gibt, ohne dass dies irgendeine Wiedergutmachung oder gar die Exkommunikation nach sich zieht. Non mittendus canibus (‘nicht den Hunden werft es hin’) haben wir vorhin gesungen.
Die Konzilsrevolution hat die katholische Messe zerstört; sie hat die Ehrfurcht vor dem Tremendum ac vivificum Sacramentum (‘furchterregendes und lebensspendendes Sakrament’) ausgelöscht; sie hat die sakrilegische Spendung der Kommunion auf die Hand und im Stehen durchgesetzt; sie hat das Dogma der Realpräsenz verdunkelt; den Tabernakel in eine Ecke der Kirche verbannt, Altäre und Balustraden abgerissen; die Gläubigen dazu verleitet, den eucharistischen König als Symbol menschlicher Brüderlichkeit zu betrachten, als Vorwand für die Selbstfeier der Gemeinschaft; sie hat Seminare und Kirchen geleert, die Gesellschaft entchristlicht, den Glauben der Katholiken zerstört.
Doch wenn die konziliare und synodale Kirche im Namen der Inklusivität (‘alle Menschen können gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben’) und des Dialogs die respektlosesten Liturgien duldet und sogar fördert und die Kommunion für die Unwürdigen im Zustand öffentlicher Sünde genehmigt, so finden Katholiken, die dazu verurteilt sind, eine würdig gefeierte Messe durch einen gläubigen Priester zu erbetteln, keinen Platz für eine ebenso große Großzügigkeit und Verständnis, als würde es sich um eine zu bemitleidende Exzentrizität (‘sonderbare Abweichung von der Norm’) handeln, wenn nicht gar um einen Hinweis auf gefährlichen Aufruhr.
Deshalb sind wir in dieser privaten Kapelle versammelt, in dieser ‘Hauskirche’, die ich vor der Messe gesegnet habe. Deshalb setzen wir uns dafür ein, die Spendung der Sakramente zu gewährleisten, die von verfolgten und aus dem Amt entlassenen Priestern erteilt werden.
Wir haben gesehen, wie öffentliche Sünder durch Amoris Lætitia und Fiducia Supplicans – auf Wunsch von Bergoglio, der in Buenos Aires die Hostie eines eucharistischen Wunders einmauern ließ, damit sie nicht zur Anbetung ausgestellt würde – zum heiligen Tisch zugelassen wurden. Und gerade in diesen Tagen hat der Erzbischof von Mailand die Fronleichnamsprozession durch die Straßen der Stadt gestrichen und dabei unter dem Vorwand des Verkehrsproblems und der Anwesenheit von Touristen ein unüberwindbares Hindernis für den Auszug des eucharistischen Königs in einer Welt angeführt, die mehr denn je auf die Knie vor den Füßen des Herrn zurückkehren sollte. Während sich Mailand, zusammen mit allen Städten unseres Alten Kontinents, in ein Lager für Horden von überwiegend muslimischen, gewalttätigen und oft kriminellen Migranten verwandelt hat; während wir miterlebt haben, wie sich der Vorplatz des Mailänder Doms in eine Freiluftmoschee verwandelt hat; während sich die Diözese Mailand mit ökumenischem Eifer für den Bau eines polytheistischen Tempels (des sogenannten „Ambrosianischen Klosters“) einsetzt, wiederholt der Nachfolger des heiligen Ambrosius und des heiligen Karl Borromäus, Mario Delpini, die Worte, mit denen Simon der Magd antwortete, die ihn als Jünger des Nazareners erkannte: Ich kenne ihn nicht (Mk 14,68).
Es ist für jeden offensichtlich, wie grotesk und aufschlussreich das Verhalten unwürdiger Hirten erscheint, für die jede Ausrede gültig ist, wenn sie es ermöglicht, dem Allerheiligsten Sakrament die göttlichen Ehren zu verweigern. Man wirft sich vor der Pachamama nieder, aber wehe dem, der das Knie beugt – veneremur cernui (‘Lasst uns tief gebeugt das so große Sakrament verehren’) – vor dem Brot der Engel. Delpini verbietet eine Prozession, die sogar während des Krieges stattfand, die aber angesichts der Pandemie-Farce oder des Tourismus respektvoll zur Seite treten muss. Mailand: von Ambrosius bis Montini, von Schuster bis Delpini, von unserem Herrn bis zu Mohammed, vom Fronleichnamsfest bis zur Gay Pride. Ein Verrat, der nach Rache zum Himmel schreit.
Aber wird der Menschensohn, wenn er kommt, noch Glauben auf Erden finden? (Lk 18,8) Wird er noch diejenigen finden, die an das Allerheiligste Sakrament glauben, die Ihn noch verehren, die Ihn noch würdig empfangen, nachdem sie gebeichtet haben und in der Gnade Gottes stehen? Wird er noch diejenigen finden, die das heilige Opfer bekennen und feiern, die dessen latreutische (‘höchste Form der Anbetung, die allein Gott zusteht’), eucharistische, versöhnende und fürbittende Ziel anerkennen? Ja, liebe Gläubige: Es werden die wenigen sein, die treu geblieben sind, jene, die heute als Rebellen gebrandmarkt, als Ketzer und Schismatiker exkommuniziert werden, während eine untreue Hierarchie Anglikaner und Protestanten, Konkubinatäre und Sodomiten zur Kommunion zulässt. Deshalb ist die Bewahrung der katholischen Messe so wichtig. Deshalb ist es so wichtig, das Priestertum fortzuführen und das Apostolat in diesen Zeiten der Verfolgung zu vermehren. Deshalb ist es so wichtig, dass jeder von uns mit der gebotenen Gesinnung hinzutritt, um den Herrn in der heiligsten Eucharistie zu empfangen.
Machen wir uns das Gebet des Engels des Friedens zu eigen, der 1916 den drei Hirtenkindern von Fatima erschien: Mein Gott, ich glaube, ich bete an, ich hoffe und ich liebe Dich. Ich bitte Dich um Verzeihung für diejenigen, die nicht glauben, nicht anbeten, nicht hoffen und Dich nicht lieben. Heiligste Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist, ich verehre Dich zutiefst und opfere Dir auf den kostbaren Leib, das Blut, die Seele und die Gottheit unseres Herrn Jesus Christus, der in allen Tabernakeln der Welt gegenwärtig ist zur Sühne für die Beleidigungen, Sakrilegien und Gleichgültigkeiten, durch die Er selbst beleidigt wird. Um der unendlichen Verdienste seines Heiligsten Herzens und des Unbefleckten Herzens Mariens willen bitte ich Dich um die Bekehrung der armen Sünder. Amen.
+ Carlo Maria Viganò, Erzbischof
4. Juni MMXXVI
Am Fest des Heiligsten Leibes unseres Herrn Jesus Christus
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